Herz-Reparatur ohne Manipulation gelungen

Foto: Uni Göttingen

Erstmalig züchten Mediziner Gewebe, das Herzen repariert. Forschern der Universität Göttingen gelang es jetzt aus Stammzellen unbefruchteter Eizellen Stammzellen zu züchten, aus denen schneller, einfacher und zuverlässiger künstliche Herzzellen wachsen. Mit ihnen regenerieren die Wissenschaftler beschädigtes Herzgewebe einer Maus.

Wolfram-Hubertus Zimmermann, der Direktor der Abteilung Pharmakologie, hat das künstliche Herzreparaturmaterial im Universitäts-Labor weltweit erstmals hergestellt. Das Material dafür gewann der Spezialist aus unbefruchteten Eizellen jener Maus, die er später operierte. „Das gezüchtete Herzgewebe – so genannte Engineered Heart Muscle (EHM) - schlägt spontan wie natürliches Herzgewebe und lässt sich bei Mäusen therapeutisch zur Reparatur von Herzinfarkten einsetzen“, schreibt die Universität in einer Pressemeldung über die sensationelle Arbeit der Göttinger Wissenschaftler.

 

Keine genetischen Manipulationen nötig

 

Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Mediziner in der Fachzeitschrift Journal for clinical Investigation. „Wir zeigen erstmalig, dass unbefruchtete Eizellen ein vielversprechendes Ausgangsmaterial für die Gewebezüchtungs-basierte Behandlung von Herzmuskelschwäche nach Myokardinfarkt sein können", sagt Wolfram-Hubertus Zimmermann, „wichtig ist, dass bei diesem Verfahren keine Embryonen verwendet werden und keine genetischen Manipulationen notwendig sind.“

Die Forscher dokumentierten dabei die Qualität und das Potential der PS-Zellen.

Foto: Uni Göttingen

Ihr Ergebnis: „PS-Zellen besitzen ähnliche biologische Eigenschaften wie embryonale Stammzellen.“ Sie seien in der Lage, funktionelle Herzmuskelzellen im Labor und auch im Körper von Mäusen zu generieren. Aus diesen Zellen lässt sich im Labor Herzmuskelgewebe züchten. PS-Zellen seien, sagen die Forscher, immunologisch „einfacher gestrickt“ als andere Stammzellen. „Dies ist von großer Bedeutung für die breite Anwendung von gezüchtetem Herzmuskelgewebe für die Herzreparatur.“

„Unsere Untersuchungen haben gezeigt“, sagt Mitautor Michael Didié, „mit künstlichem Herzgewebe aus parthenogenetischen Stammzellen kommt es zu keinen oder besser kontrollierbaren Abstoßungsreaktionen sogar bei Implantation in nicht verwandte Empfänger.“ Das, betont der Forscher an der Abteilung Pharmakologie und der Abteilung Kardiologie und Pneumologie, sei „ein klarer Vorteil gegenüber anderen Stammzellen.“

 

Jetzt muss sich zeigen, ob das Gewebe auch Menschenherz repariert

 

Allerdings ist der Weg bis zu einer Behandlung von Menschen noch weit. Dafür freilich brauchen die Forscher unbefruchtete menschliche Eizellen.

In Deutschland würden, betonen sie in einer Pressemeldung, nach der „Statistik der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin jährlich etwa 60.000 unbefruchtete Eizellen verworfen, weil sie für eine künstliche Befruchtung schlussendlich nicht geeignet sind“. Die wollen die Göttinger Wissenschaftler nutzen: Das nämlich bedeute, dass für ihre Foschung keine zusätzlichen Eizellen-Spenden nötig seien. Sie wollen „lediglich auf vorhandene, aber nicht mehr benötigte Eizellen zurückgegriffen“.

 

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