Homo sapiens: Afrika-Auszug später als gedacht

Wann machte sich der moderne Mensch (Homo sapiens) aus Afrika auf, um den Rest der Welt zu entdecken? Zuletzt gab es auf diese Frage widersprüchliche Antworten; einig waren sich die Wissenschaftler nur, dass der „Auszug“ keinesfalls weniger als rund 95.000 Jahre her ist.

 

Genau diese Erkenntnis scheint jetzt eine Studie der Universitäten Bonn und Tübingen zu widerlegen. Die neue Theorie: Der Mensch trennte sich erst viel später vom schönen Afrika, um schließlich nach und nach den gesamten Globus zu erkunden.

 

Woher die Forscher das wissen? Sie analysierten zehn fossile Skelette mit einer Altersspannweite zwischen 40.000 und 700 Jahren. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch das sogenannte Oberkasseler Doppelgrab, der 14.000 Jahre alte und damit älteste menschliche Fund, der in Deutschland je gemacht wurde. Das LVR-LandesMuseum Bonn nahm ihn jetzt erneut unter die Lupe.

 

Foto: Wikimedia commons/Hans Weingartz

Wurden in älteren Studien Mutationen übersehen?

 

Die Wissenschaftler untersuchten die DNA der Mitochondrien, der „Kraftwerke“ unserer Zellen. Je mehr Veränderungen diese DNA im Lauf der Zeit bei verschiedenen Menschen erfährt (Mutationsrate), desto loser ist deren Verwandtschaft zu einem bestimmten gemeinsamen Vorfahren; sprich, desto länger hatten sie Zeit, sich von diesem Vorfahren weg zu entwickeln. Die Annahme: Die Mutationsrate ist immer konstant hoch, das heißt in den letzten 100 Jahren ereigneten sich genauso viele Mutationen wie in den 100 Jahren davor. So lässt sich der den Erbgutveränderungen zu Grunde liegende Zeitraum erschließen. Der gemeinsame Vorfahre im Fokus ist in diesem Fall der „Urafrikaner“, der seine Sachen packte und auf Weltreise ging.

 

„Die Zahlen liefern nun ein klares zeitliches Bild vom modernen Menschen und seiner Ausbreitung aus Afrika“, erläutert Liane Giemsch, Ko- Autorin der jetzt im Fachblatt Current Biology veröffentlichten Studie. Laut ihren Erkenntnissen verließ der Mensch zwischen 95.000 und 62.000 Jahren vor heutiger Zeitrechnung den Schwarzen Kontinent. Ältere Studien an „modernen“ Familien des 21. Jahrhunderts hatten diesen Zeitpunkt hingegen 30.000 Jahre früher festgesetzt.

 

Wie sind derart unterschiedliche Erkenntnisse möglich? Prof. Dr. Johannes Krause von der Universität Tübingen erklärt: „Der Grund der Diskrepanz zwischen den Studien könnte darin bestehen, dass an modernen Familien Mutationen übersehen wurden, was zu einer Unterschätzung der Mutationsrate über die Zeit führte. Außerdem ist es möglich, dass sich die Mutationsrate innerhalb einer Generation im 21. Jahrhundert von der von uns berechneten über 2.000 Generationen in den letzten 40.000 Jahren unterscheidet.“

 

Klar scheint jedenfalls: Unsere Vorfahren waren wesentlich sesshafter als bisher gedacht… NISO

 

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