
Fünf Jungforscher aus Graz entwickeln eine ungiftige und kompostierbare Alternative zu Plastik: Den Biokunststoff produzieren Mikroorganismen. Und um ihr Startup zu finanzieren verkaufen die Neuunternehmer Knöllchenbakterien, die das Wachstum von Soja und Co. anregen an Bauern.
Zwei Mikrobiologen und drei Pflanzenwissenschaftler von der Grazer TU wollen Biokunststoff produzieren. “Unser Material ist wasserfest. Nicht wie bei anderen kompostierbaren Bioplastik-Säcken, die irgendwann doch durchlässig werden”, sagt Christof Winkler-Hermaden vom Team der Entwickler über ihr Produkt Saphium . Er verspricht: "In etwa drei Monaten zersetzen die Mikroorganismen im Boden das Material."
Mikroorganismen produzieren natürliches Polyester
Die österreichische Startup-Plattform, der brutkasten berichtet über das Projekt. “Unsere erste Idee war aus Algen, CO2 und Sonne Bioplastik zu machen”, erzählt Winkler-Hermaden. Deshalb brauche das Forscherteam auch keine Ackerflächen für den Anbau der Rohstoff für sein Bioplastik. “Wir sind draufgekommen, dass das mit Algen nicht funktioniert und haben umgeschwenkt auf Bakterien, also Mikroorganismen”. Die können auf Kohlendioxid und Wasserstoff wachsen.
Bei diesen biotechnologischen Mikroorganismen handelt es sich um natürlich vorkommende Polyester, die von den Bakterien gebildet werden. In der Natur passiere das durch Fermentation von Zucker oder Fetten. Deswegen füttern Winkler-Hermaden und seine Mitstreiter Sanel Durakovic, Bernhard Brauner-Runge, Katharina Ettl und Josef Tauchner ihre Mikroorganismen nicht wie kollegen in der herkömmlichen Industrie die Bakterien mit Lebensmittelabfallstoffen oder Rapsöl. Das sei sehr teuer und für die Massenproduktion ungeeignet.
Das Saphium-Team hat festgestellt, dass das Herauslösen des Kunststoffes aus den Zellen, der Kostentreiber ist und arbeitet an einem physikalischen Verfahren.
Mit Knöllchenbakterien Geld für weoitere Forschung verdienen
Dabei half ihnen als Erstinvestment eine Laborzeit im irischen Cork. RebelBio ist ein Inkubator für Biotechnologie, der Startups aus der ganzen Welt unterstützt. Neben 50.000 Euro bekommen diese Startups noch einmal so viel in Sachleistungen. Gegenleistung: SOS Ventures, die Firma hinter RebelBio will am Ende acht Prozent am neuen Unternehmen besitzen. Saphium nutzte drei Monate die Labore in Cork und bekam während der einmonatigen Vorbereitungszeit eine Businessmodelentwicklung.
Zurück in Graz arbeiten die Fünf weiter an ihrem Bioplastik. Damit ihre Firma überleben kann stellen sie zusätzlich sogenannte Rhizobien her. Diese Knöllchenbakterien können Stickstoff aus der Luft binden und Pflanzen, zum Beispiel Hülsenfrüchte mit Stickstoff versorgen. DAmit erwirtschaften sich die Jungforscher das nötige Geld, um ihren Biokunststoff zur Marktrrife weiter voranzutreiben.
pit
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