
Diabetes, Krebs, Herzerkrankungen, Schlaganfall- trägt die internationale Nahrungsmittelindustrie Mitschuld an der steigenden Ausbreitung dieser und anderer nicht übertragbarer Krankheiten (non-communicable diseases, NCDs)? Zu dieser Vermutung gelangten Forscher der Universität Melbourne unter der Federführung von Mediziner und Gesundheitsexperte Rob Moodie.
Laut den Autoren der Studie verfügt die multinationale Tabak-, Alkohol- und hochverarbeitende Lebensmittelindustrie über effektive Mittel, öffentliche Gesundheitspolitik und –programme zu untergraben. Dazu gehöre zum Beispiel die „Unterhaltung finanzieller und institutioneller Beziehungen“ mit NGOs und nationalen wie internationalen Gesundheitsorganisationen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Lebensmittelstudien– aus Sicht der Lebensmittelindustrie- positiv ausfallen, ist laut Moodie vier- bis achtmal höher, wenn das prüfende Unternehmen von einer Lebensmittel- oder Getränkefirma gesponsert wird. Die bewusste Verfälschung von Forschungsergebnissen und die Einwirkung auf Politiker, sich im Sinne der Nahrungsmittelindustrie mit Gesundheitsreformen auseinander zu setzen, täten ein Übriges.

“Einmischung der Lebensmittelindustrie in Gesundheitspolitik unterbinden“
Die Schlussfolgerung der Forscher: Einschlägige Nahrungsmittelbetriebe haben in der Gesundheitspolitik, etwa beim Entwickeln von Gesundheitskampagnen, nichts verloren. „Hier stehen sich zwei völlig gegensätzliche Interessen gegenüber- das legitime Bestreben der Industrie, Geld zu verdienen und der Gesundheitsschutz“, erläutert Moodie. Unterstützung erhält er von Ian Gilmore: „Jede Regierung, die ihre Gesundheitsthemen wirklich ernst nimmt, sollte jegliche Einmischung von Seiten der Industrie konsequent unterbinden“, so der Sonderberater für Alkoholthemen am Londoner Royal College of Physicians.
Regulation von außen gefordert
Reaktionen auf die Studie blieben nicht aus: Die UNESDA (Union of European Soft Drinks Associations) , verwies auf einen von der EU-Kommission ins Leben gerufenen gemeinschaftlichen Vorstoß von Regierungen, Industrie, Gesellschaft und Gesundheitsorganisationen, Menschen zu einem gesünderen Lebensstil mit mehr Sport und bewusster Ernährung anzuhalten.
Simon Spillane von Brewers of Europe hält strengere Kontrollen in der EU für überflüssig, da sich die Industrie selbst am besten regulieren könne. Dem widerspricht die im Fachblatt The Lancet veröffentlichte Studie, die stärkere Regulation vonseiten der Regierungen fordert.
Eine Utopie? „Keinesfalls“, sagt Moody mit Blick auf den US-Bundesstaat New York. Dort hat der amtierende Bürgermeister Michael Bloomberg bereits stark zuckerhaltige Getränke von mehr als 473 Millilitern aus Sportstadien, Kinos und Restaurants verbannt. Kettenrestaurants verdonnerte er dazu, die Kalorienwerte ihrer angebotenen Produkte offen zu legen. NISO
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