Studie: Mitfühlender durch Meditation

Fitness lässt sich trainieren- Mitgefühl und Fürsorge auch! Zu dieser Erkenntnis gelangten Wissenschaftler am Center for Investigating Healthy Minds der University of Wisconsin-Madison.

 

„Unsere zentrale Frage war: Lässt sich Mitgefühl trainieren, wenn wir die dazugehörigen Gehirnareale gezielt aktivieren?“, erläutert Helen Weng, Erstautorin der in Psychological Science veröffentlichten Studie. Das Ergebnis ist erstaunlich: „Veränderungen im Gehirn waren schon nach nur sieben Stunden Training festzustellen“, zeigt sich selbst Professor Richard J. Davidson, Psychologie- und Psychiatrieprofessor an der Universität, überrascht.

 

Foto: Wikimedia commons/Alex Proimos

Für die Studie übten sich Probanden in der buddhistischen Technik der Meditation von Liebe und Mitgefühl. Sie sollten sich ganz auf das Leiden bestimmter Menschen in ihrem Umfeld konzentrieren- von Freunden und Familienmitgliedern über Fremde und „Feinde“, bis hin zur eigenen Person. „Es ist ein bisschen wie Krafttraining“, so Weng: „Menschen können ihren „Mitleidsmuskel“ tatsächlich so stärken, dass sie dem Leiden anderer eher mit Fürsorge und mit dem Wunsch zu helfen begegnen.“

 

Hilfe gegen Mobbing in Schulen?

 

Dies testeten die Forscher anhand eines Internetspiels gegen jeweils einen anonymen „Diktator“ und ein „Opfer“. Der „Diktator“ teilte nur einen seiner zehn zur Verfügung stehenden Dollars mit dem „Opfer“, das sich in einer akuten Notlage befand. Wie würde die Testperson darauf reagieren? Wie viel Geld seiner eigenen fünf Dollars würde sie dem „Opfer“ geben, um die Ungerechtigkeit wieder auszugleichen? Das Forscherteam fand heraus: Die Probanden, die sich in Mitgefühl geübt hatten, waren viel eher bereit, auch einer völlig unbekannten Person in einer Notlage zu helfen als diejenigen, die „nur“ positives Denken trainiert hatten.

 

Diese Verhaltensänderungen spiegelten sich auch im Gehirn wieder: Beim Betrachten von „Schreckensbildern“ wie verbrannten Menschen oder schluchzenden Kindern wiesen die Versuchspersonen die größten Veränderungen auf, die zuvor im Internetspiel dem „Opfer“ am ehesten zu Hilfe geeilt waren. Gehirnregionen, die für Empathie und das Verstehen anderer zuständig sind, waren bei diesen Personen aktiver als bei der Vergleichsgruppe.

 

Mitgefühl scheint also tatsächlich nicht „fixiert“, sondern „flexibel“ zu sein. „Diese Form des Trainings könnte zum Beispiel Mobbing in Schulen eindämmen, wenn sich Kinder ihrer eigenen und der Emotionen anderer besser bewusst werden“, hofft Davidson. Helen Weng ist angesichts der gewonnen Erkenntnisse ebenfalls enthusiastisch: „Ich wünschte, mehr Menschen würden dieses Training für eine oder zwei Wochen ausprobieren. Ich glauben, wir kratzen gerade erst an der Oberfläche davon, wie mehr Mitgefühl das Leben ganz normaler, gesunder Menschen verändern kann“, fügte sie hinzu. NISO

 

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