
Ein europaweites Projekt will dem Charme historischer Altstädte, wie Budapest oder Bamberg den umweltbewussten Pep verleihen! Die alten Gebäude sollen nicht nur durch ihre Baukunst überzeugen, sondern auch durch ihre Energieeffizienz.
Jeder Altbau-Bewohner kann ein Liedchen davon singen: „Eine wunderschöne Wohnung, aber im Winter zieht’s durch die Gemäuer und Fensterspalten“. Spätestens die hohe Heizkostenabrechnung zeigt es dann schwarz auf weiß: Alte Gebäude sind Energieschlucker. Die oft mit Stuck versehrten Fassaden sind zwar für’s Auge schön, aber nicht für Geldbeutel oder Umwelt.
Diese Bilanz soll sich bessern: 23 Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und kommunaler Verwaltung aus 13 verschiedenen europäischen Staaten haben sich im Projekt EFFESUS (Energy Efficiency for EU Historic Districts Sustainability) zusammengeschlossen, um historischen Stadtquartieren zu mehr Energieeffizienz zu verhelfen. Beteiligt sind unter anderem das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Holzkirchen und Kassel sowie das Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa MOEZ in Leipzig. Das Gesamtbudget des Projekts umfasst 6,7 Millionen Euro.
Länderübergreifend entwickeln die Forscher unter anderem neue Technologien und Materialien zur Fensterreparatur und zur Innendämmung, einen Dämmputz und reflektierende Beschichtungen. „Jede Technologie machen wir an einer Fallstudie fest – also einer europäischen Stadt, in der die Technologie an einem historische Gebäude überprüft wird“, sagt Dr. Britta von Rettberg, wissenschaftliche und technische Leiterin des Projekts. Die sieben Städte Bamberg, Santiago de Compostela, Genua, Budapest, Istanbul, Glasgow und Visby in denen die Fallstudien stattfinden, umfassen verschiedene Klimazonen.
Michael Ilk, Stadtrat von Bamberg ist stolz darauf, dass seine Stadt an dem Projekt mitwirkt: „Wir wollen zeigen, dass Bamberg nicht nur eine mittelalterliche Stadt ist, sondern dass wir auch modern denken. Das Thema Energieeinsparung ist ein bundesweites Thema – wenn wir über das Projekt Effesus ein Mosaiksteinchen dazu beitragen können, wäre das klasse.“
Neue Dämmstoffe dürfen nur drei Zentimeter dick werden
Die Bauherren vergangener Zeiten arbeiteten mit Liebe zum Detail – auch an den Außenfassaden. Damit diese bei der Dämmung nicht verloren gehen, braucht’s einen speziellen Dämmstoff. Normales Dämmmaterial ist um die zehn Zentimeter dick und würde viele der kleinen Facetten aus vergangener Baukunst verdecken. „Ziel ist es daher, Dämmputze mit nur zwei bis drei Zentimetern Dicke zu entwickeln“, sagt Claudia Schindler, Wissenschaftlerin am IBP. Der Putz wird mit dämmenden Aerogelen kombiniert – also hochporösen Festkörpern, deren Volumen bis zu 99,98 Prozent aus Poren besteht und die Wärme daher gut im Haus hält.
Bevor die Dämmstoffe auf den historisch wertvollen Gemäuern aufgetragen werden, müssen sie an extra angefertigten Testhäusern überzeugen. Auch in Bamberg. Erst wenn die Putze dort gute Ergebnisse erzielt haben, versehen die Wissenschaftler eine etwa hundert Quadratmeter große Wand des Bamberger Rathauses Geyerswörth damit.
Sensoren, die im Putz angebracht werden, liefern dann Informationen über Temperatur und Feuchtegehalt des Putzes, um deren Einflüsse auf die Wärmeübertragung zu ermitteln. Zudem analysieren die Forscher, wie sich der Energiebedarf des Raumes ändert, der direkt hinter der zu verputzenden Wand liegt.
Damit das Projekt in der technologisierten Welt Erfolg hat, ist eine weitere zentrale Aufgabe von EFFESUS, eine Software zu entwickeln, die es Architekten und anderen Experten erleichtern soll, Entscheidungen zu treffen. Die Software liefert ihnen beispielsweise konkrete Informationen darüber, welche Möglichkeiten es in den jeweiligen Quartieren zur Energieerzeugung gibt – und welche von vorne herein durch die Struktur des Stadtviertels ausgeschlossen werden können.
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