Pflanzengift in Fischen: Jetzt nachweisbar

Foto: ap/Uwe Dreßler

Pflanzenschutz-Gift in Fischen?In der Tat: Jeder zweite Speisefisch, der auf unserem Teller landet, kommt mittlerweile aus einem Zuchtbetrieb. Das Problem: An die Tiere werden immer häufiger pflanzliche Rohstoffe verfüttert, wodurch sich Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Fisch ablagern können. Ein neuer Test ermittelt, wie hoch das Risiko einer Kontamination ist.

Menschen essen immer mehr Fisch. Um die steigende Nachfrage zu befriedigen, werden die Tiere daher zunehmend in Fischfarmen gezüchtet. Die Aquakultur stellt weltweit den am stärksten wachsenden Zweig der Ernährungswirtschaft dar, die jährlichen Steigerungsraten liegen bei neun Prozent.

 

Foto: ap/Rainer Sturm

Ein rasanter Anstieg, der auch den Bedarf an Fischfutter in die Höhe treibt. Dies stellt die Futtermittelhersteller vor eine große Herausforderung. Denn Fischmehl und -öl – wichtige Bestandteile des Futters – werden immer knapper.

Pflanzliche Rohstoffe wie Soja, Mais und Raps sollen künftig Fischmehl und -öl ersetzen. Das Problem: Mit den pflanzlichen Rohstoffen könnten auch Pflanzenschutzmittel (PSM) in die Futter-Pellets gelangen. Um eine Gefahr für den Verbraucher auszuschließen, müssen in Zukunft mögliche Rückstandsgehalte der Pflanzenschutzgifte in Fisch aus Aquakultur bestimmt werden.

Doch ein Verfahren für entsprechende Tests fehlt bislang.

Für Wiederkäuer, Geflügel und Schweine gibt es bereits Methoden, das Anreicherungs- und Abbauverhalten von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen zu bestimmen. Die Experten nennen sie Metabolismusstudien – diese sind jedoch bisher nicht auf Fische anwendbar. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) in Schmallenberg haben ein Testsystem entwickelt, mit dem sich feststellen lässt, ob sich bei der Aufnahme von belastetem Futter chemische Substanzen im Fisch anreichern.

„Wir prüfen in einem ersten Schritt, ob sich durch die Nahrungsaufnahme Rückstände von PSM im Fischfilet bilden und welche Abbauprodukte durch den Stoffwechselprozess entstehen. Prinzipiell gilt: Je fettlöslicher eine Substanz ist, desto eher reichert sie sich im Fisch an“, erläutert Dr. Christian Schlechtriem, Wissenschaftler am IME. „Unsere Tests sind die Basis für spätere Fütterungsstudien. Die Ergebnisse entscheiden über die Notwendigkeit solcher Studien, die dann die Rückstandshöchstgehalte von PSM bestimmen.“

Für ihre Metabolismusstudien nutzen die Experten zwei Kubikmeter große Wassertanks, in die sie 300 bis 500 Gramm schwere Karpfen und Regenbogenforellen setzen – Süßwasserfische, die häufig in Aquakultur gezüchtet werden. Um Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und deren Abbauprodukte identifizieren zu können, versehen Schlechtriem und sein Team die Futterpellets mit einer radioaktiven Testsubstanz.

 

Foto: ap/Uwe Dreßler

Eine Herausforderung für die Forscher, da radioaktiv markiertes Material im Wasser schwierig anzuwenden ist. Ein starkes Filtersystem verhindert, dass sich gelöste Testsubstanz im Wasser anreichert. Filets der gefütterten Fische können anschließend auf PSM-Rückstände untersucht werden. Dafür nutzen die Forscher eine hoch empfindliche Analytik, die es erlaubt, auch kleinste Substanzmengen sicher zu identifizieren. Dr. Dieter Hennecke, Abteilungsleiter Ökologische Chemie am IME, betont: „Mit unserem neuen Testsystem decken wir von der Aufzucht der Tiere bis zur Gewebeanalyse im Labor alle erforderlichen Schritte ab, die für das Erfassen von PSM oder deren Abbauprodukte in Fischen erforderlich sind.“

Sarah Baker Foto: LLL/flickr CC

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