Salzige Böden: 2.000 ha Ackerland Verlust pro Tag

Die Weltbevölkerung wächst rasant. Um ihre Versorgung sicher zu stellen, müssen mehr Nahrungsmittel produziert werden. Bewässerung in ariden und semiariden Anbaugebieten führt allerdings zur Versalzung der Böden. Die Folgen sind geringere Erträge und Verlust von fruchtbarem Ackerland - durchschnittlich 2.000 Hektar pro Tag! Wissenschaftler der United Nations University (UNU) schlagen nun Alarm und fordern wirksame Maßnahmen gegen die Versalzung zu ergreifen, da zur Zeit 62 Millionen Hektar zu versalzen drohen. Sie beziffern die jährlichen Verluste durch versalzte Böden auf über 27 Milliarden US-Dollar.

 

Die Salinas Grandes in Argentinien sind ein Extrem-Beispiel für salzige Böden. Foto: wikimedia commons/ Jaan Cornelius K.

Künstliche Bewässerung führt in trockenen Anbaugebieten oft dazu, dass sich Salz auf Grund fehlender Entwässerungssysteme im Wurzelraum der Pflanzen anreichert und diese allmählich schädigt. Zusätzlich kann auch der Grundwasserspiegel durch künstliche Bewässerung angehoben werden, wodurch zusätzliche Salze aus tieferen Gesteinsschichten in den Boden eingetragen werden können. Da viele Feldfrüchte nicht salz-resistent sind, geht ihr Ertrag auf versalzten Böden zurück. Im schlimmsten Fall wachsen auf einem versalzten Acker gar keine Lebensmittel mehr.

 

Bäume und Mischkulturen helfen gegen Versalzung

 

Agrarwissenschaftler fordern nun, Maßnahmen gegen die anhaltende Versalzung zu ergreifen und für eine verbesserte Entwässerung der gefährdeten Böden zu sogen. Möglichkeiten sind beispielsweise das Pflanzen von Bäumen, tiefes Pflügen, der Anbau salztoleranter Pflanzen, der Anbau von Mischkulturen aus ein- und mehrjährigen Pflanzen sowie das Ziehen tiefer Entwässerungsgräben um die versalzte Fläche herum.

 

Um 2050 die geschätzten neun Milliarden Erdenbewohner zu ernähren, muss die Fruchtbarkeit der vorhandenen Anbauflächen erhalten werden, erklärt Manzoor Qadir, stellvertretender Direktor des UNU-Programms "Entwicklung von Wasser und Menschen". Er warnt: "Wir können es uns nicht leisten, die Produktivität der von Versalzung bedrohten Flächen nicht wieder herzustellen."

 

Züchtung salztoleranter Pflanzen - eine Lösung?

 

Ein weiterer Lösungsweg sei die Züchtung salztoleranter Pflanzen, berichten Wissenschaftler aus Australien und Deutschland in einem Artikel in Fachjournal Trends in Plant Sciences und fordern neue Anstrengungen bei der Zucht solcher Pflanzen. An der Universität Würzburg erforschen Wissenschaftler die Möglichkeit, Gene für die Bildung sogenannter Salzblasen in Pflanzen einzukreuzen, damit diese auf versalzten Untergründen überschüssiges Salz einfach einlagern können.

 

Die kurzen Zeiträume, die die Würzburger Forscher für ihre Untersuchung veranschlagen, lassen vermuten, dass es sich nicht um traditionelle Zuchtmethoden, sondern um Gentechnik-Verfahren handelt. Ob dies die Lösung des eigentlichen Problems ist, bleibt fraglich. Und so bestätigt auch der leitende Professor Dr. Rainer Hedrich, Lehrstuhl für Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik: "Nein, natürlich verschwindet das Salz nicht. Aber man könnte so bislang salz-sensitive Nutzpflanzen anbauen, die, wie beispielsweise Quinoa, auf tolerabel versalzten Böden überleben und Ertrag bringen. Denn die Alternative dazu ist momentan: Es wächst dort gar nichts, was Ertrag für menschliche Lebensmittel liefert." JET

 

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