
Europas Küsten-Regionen droht der Untergang: Eine neue Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA) fokussiert die Gefahr für die Küsten des Kontinent: Das menschliche Trachten nach kurzfristigen ökonomischen Vorteilen, so die Wissenschaftler um den EEA-Direktor Hans Bruyninckx, bringe lebenswichtige Balancen in Schieflage. Immerhin erwirtschaften die Menschen in Küstenstreifen gut 40 Prozent der Wertschöpfung in Europa.
Häfen und Handel, Fischerei und Tourismus sind nur einige der wichtigen Aufgaben entlang Europas Küsten. Nahezu 40 Prozent aller Menschen auf dem Kontinent leben in einem kaum 50 Kilometer schmalen Streifen am Wasser.
Und es werden stetig mehr. Am Mittelmeer kommen immer mehr Menschen in diese Gebiete am Wasser. Die Bevölkerungsdichte – etwa in Spanien oder Frankreich – kletterte allein zwischen 2001 und 2010 um die Hälfte. Zudem bedroht der durch den Klimawandel steigende Meeresspiegel die Küstenregionen.
Europas Küste: Bedroht durch Industrie und Infrastruktur
Hans Bruyninckx verweist in der jetzt veröffentlichten Studie auf die Übernutzung vieler dieser Gebiete am Meer. Dort sind nicht nur die Meere überfischt und das Wasser durch Industrie oder Landwirtschaft verschmutzt.

Die Infrastruktur zerstört Landschaften, Küsten bröckeln oder immer mehr Bauten für die Gäste der Regionen fordern von den Landschaften, Fauna und Flora einen hohen Tribut: In Zypern, Norwegen, auf Malta oder in Spanien sind inzwischen über zehn Prozent der Küsten versiegelt, waren die EEA-Wissenschaftler.
So verschwinden Lebensräume und in der Folge auch Tier- und Pflanzen-Arten. Die Wasserqualität sinkt – die schlechtesten Werte finden Forscher im Baltikum. Nur noch 10 Prozent der marinen Lebensräume und gar nur noch 3 Prozent der Arten im Meer, so die Studie, leben ungestört. 50 Prozent der Fischarten vor Europa sind in Bedrängnis.
Zwischen 1998 und 2009 verschmutzten etwa neun größere Ölunfälle die Küsten Europas. Immer häufiger finden die Experten auch nennenswerte Rückstände von Kunststoffen im Wasser. “Das”, so warnen sie, “kann auch die menschliche Geundheit beeinträchtigen, wenn es über die Nahrungskette auf unsere teller gelangt.”
pit
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