Tomatenfisch: nachhaltige Lebensmittelproduktion

Foto: Wikipedia Commons 3.0/D. Govan

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Gemüse anbauen und zugleich Frischfisch züchten – was klingt wie die Anleitung für ein gesundes Mahl, war jedoch Aufgabe für die Forscher am Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Sie entwickelten ein preisgekröntes Kreislaufsystem. Der „Tomatenfisch“ spart Wasser, schont die Umwelt und ist artgerechte Tierhaltung.

IGB-Professor Werner Kloas leitete die Studie, die prüfen sollte, welche Vorteile die Verquickung von Barsch-Zucht und Tomatenanbau bringen. Ergebnis: Die Exkremente des Fischs Tilapia taugen hervorragend als Dünger für das Nachtschattengewächs. Da Pflanze- sowie Tier-Art recht warme Luft zum gedeihen brauchen und sie daher am besten im auf 26 Grad beheizten Glashaus gedeihen, schützt dies zugleich die Umwelt vor unerwünschten Emissionen. Und weil die Pflanzen das gebrauchte Wasser reinigen und über ihre Blätter wieder als Frischwasser verdampfen, können die Wissenschaftler auch den Kreislauf dieses Nährstoffs ohne große Verlust zirkulieren lassen.

Ergebnis: Die Produktion der Lebensmittel ist „nachhaltig und emissionsfrei“, betonen die Wissenschaftler stolz. Sie ergänzen: Das System eignet sich sowohl für Gebiete, in denen Wasser knapp und kostbar ist, als auch für den Anbau in Ballungszentren. Derzeit verhandeln sie mit möglichen Investoren, die ihr System als Grundlage für Urban Farmin-Projekte oder für Selbstversorger anbieten wollen.

 

Foto: IGB

Interview mit Werner Kloas zum Projekt „Tomatenfisch“:

 

Ist die Idee neu?

Werner Kloas: Nein. Die Grundlagen dieser Technik sind schon seit einigen Jahrzehnten bekannt, aber die Effizienz ließ zu wünschen übrig.

 

Was ist dann neu am „Tomatenfisch“?

Am IGB haben wir das System neuartig kombiniert. Wir züchten Fisch und Gemüse in zwei getrennten Systemen, die nur bei Bedarf miteinander kombiniert werden. So lassen sich ideale Lebensbedingungen für beide Arten herstellen. Zusätzlich ist unsere Tomaten- und Fischproduktion nahezu emissionsfrei und äußerst Wasser sparend.

 

Und was ist daran besonders nachhaltig?

„Nachhaltigkeit beinhaltet wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte. Mit <ASTAF-PRO> kann man rentabel arbeiten, die Umwelt schonen und Fische artgerecht halten. Ebenso bietet das System sichere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigen und gesunde, transparente Produkte für den Verbraucher. Also: Der Tomatenfisch hilft, das Bewusstsein für Lebensmittel zu schärfen. Er ist ein gutes Beispiel zu zeigen, wie man nachhaltiger produzieren und konsumieren kann. Gerade Kinder verstehen durch den Tomatenfisch sehr schnell, worauf es ankommt.

 

Was ist dabei der Vorteil?

Weltweit entfallen 70 Prozent des Süßwasserverbrauchs auf die Landwirtschaft, durch das System kann viel Wasser eingespart werden. Zudem ernähren sich bestimmte Fischarten wie Tilapia weitgehend vegetarisch. Anders als zum Beispiel Lachse. Die sind Raubfische und benötigen tierisches Eiweiß. Sie kommen bisher nur schlecht ohne Fischmehl oder Fischöl im Futter aus - das aber wird aus Wildfang erzeugt, was wiederum der Überfischung der Meere Vorschub leistet.

 

Sie verwenden Wasser, Rohstoffe und Energie also doppelt?

Genau. Zusammen bilden die Produktionseinheiten ein absolut nachhaltiges, äußerst klimafreundliches System. Das Kohlendioxid, das die Fische ausatmen, können die Pflanzen aufnehmen, für ihr Wachstum nutzen und in Sauerstoff umwandeln. Wird die nötige Betriebsenergie für die Gesamtanlage aus regenerativen Quellen wie Wind, Sonne oder Biomasse gespeist, arbeitet unser System also nahezu ohne klimaschädliche Emissionen.

Zudem liefert Fisch hochwertiges tierisches Eiweiß.

 

Kann auch der Tomatenfisch helfen, die biologische Vielfalt zu bewahren?

Der Tomatenfisch spart Fläche, er treibt den Verlust von wertvollem, natürlichem Lebensraum also nicht voran. Weil es sich um ein geschlossenes System handelt, gibt es auch keine schädlichen Einflüsse auf die umgebende Natur und ihre Vielfalt. Nachhaltige Aquakultur bietet zudem kontrolliert gezüchteten Fisch, was den Druck auf die Wildbestände mildern kann. Nachhaltige Aquakultur kann auch eine Lösung sein, um bedrohte Arten gezielt zu züchten, sie so zu bewahren und durch Besatzprogramme wieder anzusiedeln.

 

 

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