Wer länger leben will, sollte daheim bleiben. Amerikanische Forscher fanden heraus: das Ausbreitungsverhalten ist der entscheidende Faktor, warum Lemuren-Männchen eine viel kürzere Lebenserwartung haben als ihre weiblichen Artgenossen.
Sowohl Lemuren-Männchen als auch -Weibchen trennen sich von ihrer ursprünglichen Gruppe, um sich einer anderen anzuschließen. Dieses Ausbreitungs- oder Wanderverhalten kann während ihres Lebens mehrmals auftreten. Der Unterschied liegt darin, dass Weibchen etwa ab ihrem 11. Lebensjahr die Wanderschaft einstellen und bis zu ihrem Lebensende in ihrer Gruppe bleiben. Die Männchen hingegen wandern ihr gesamtes Leben umher und schließen sich immer wieder neuen Gruppen an. Und genau das stellt ein Risiko dar, denn mit zunehmendem Alter wird das Umherwandern immer gefährlicher. Das Zurücklegen weiter Strecken kostet Kraft, die Tiere sind nicht mehr so flink und erholen sich nur langsam von Verletzungen. Ihnen fehlt der Schutz der Gruppe und sie sind bei der Nahrungssuche ganz auf sich allein gestellt. Und wenn sie endlich auf eine neue Gruppe stoßen, der sie sich anschließen wollen, müssen sie häufig erst kämpfen.

Testosteronspiegel irrelevant
Diese neue Erkenntnis zur geschlechtsspezifischen Lebenserwartung stammt aus einer Studie des National Evolutionary Synthesis Centers (NESCent), Durham North Carolina. Bislang nahm man an, dass die erheblich niedrigere Lebenserwartung der Männchen vor allem auf den erhöhten Testosteronspiegel und die damit verbundene Aggressivität zurückzuführen sei. Die jetzige Studie untersuchte jedoch die gefährdete Lemurenart Edwards-Sifaka (Propithecus edwardsi), bei der die Weibchen den gleichen Testosterongehalt wie die Männchen aufweisen und dennoch erheblich älter werden. Es handelte sich hierbei um eine Langzeitstudie von 1989 bis 2009, welche im Nationalpark Ranomafana in Madagaskar durchgeführt wurde. Es ging darum, von über 70 Lemuren sowohl Geburten- und Sterbefälle als auch das Ausbreitungsverhalten zu dokumentieren.
Warum die Männchen trotz des hohen Risikos immer wieder aufs Neue den Schutz der Gruppe verlassen, ist noch nicht geklärt. Was die Studie jedoch aufklärt, ist, dass altersspezifische Risikobereitschaft oftmals auch altersspezifische Sterbefaktoren, die vorher so nicht bedacht wurden, aufdeckt.
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