
Die Vielfalt der Natur für eine bessere Landwirtschaft nutzen. Forscher aus aller Welt wollen die Agrarwirtschaft revolutionieren. Die Nachfrage nach Getreide und Raps steigt stetig. Die Anbauflächen, vor allem für Monokulturen werden immer größer – oftmals zu Lasten der Umwelt. Mit den Kräften der Natur wollen die Wissenschaftler die Lage entschärfen.
Weltweit wird in den kommenden Jahrzehnten der Bedarf an landwirtschaftlichen Erzeugnissen steigen. Ein Grund dafür: Pflanzen wie Getreide oder Raps werden zunehmend angebaut, um Biogas oder Biodiesel zu produzieren – das soll den wachsenden „Energiehunger“ der Menschheit stillen.
Aber: „Eine weitere konventionelle Intensivierung der Landwirtschaft ist ohne gravierende Nachteile für die Umwelt nicht machbar“, sagt Professor Ingolf Steffan-Dewenter vom Biozentrum der Universität Würzburg. Auch eine Ausdehnung der Anbauflächen sei kaum möglich. Voraussichtlich werde der Klimawandel mit zunehmenden Hitze- und Dürreperioden sogar dafür sorgen, dass die landwirtschaftlich nutzbaren Areale der Erde eher schrumpfen.
Für dieses Dilemma sehen die Wissenschaftler alleine in der Zusammenarbeit mit der Natur einen Ausweg. So sollen natürliche Schädlingsbekämpfung und Bestäubung für eine reichere Ernte sorgen.
Dass dieser Ansatz funktionieren kann, will nun der neue europäische Forschungsverbund „LIBERATION“ demonstrieren: bei Feldversuchen mit Getreide, Sonnenblumen und Raps in sieben ausgewählten Gegenden Europas.
Eine hohe Biodiversität bringt höhere Erträge in der Landwirtschaft
Die grundlegende Idee hinter dem Projekt: „Eine hohe Biodiversität, also eine möglichst große Vielfalt von Organismen, bringt der Landwirtschaft höhere Erträge“, so Steffan-Dewenter. Die Bestäubung der Nutzpflanzen durch Insekten und andere Tiere wird optimiert, Pflanzenschädlinge werden von ihren natürlichen Feinden in Schach gehalten, das Bodenleben wird gefördert und damit auch die Fruchtbarkeit der Äcker.
Die Forscher wollen mit ihrem Projekt auch zeigen, dass der Anbau von Mischkulturen anstelle von Monokulturen wesentliche Vorteile mit sich bringt. Denn bei Mischkulturen werden die Bodennährstoffe effizienter genutzt und es wächst weniger Unkraut. So müssen keine Pestizide oder chemische Dünger verwendet werden.
Mischkulturen werden derzeit kaum angepflanzt, da die industriellen Anbaumethoden nicht auf diese Form angelegt sind. Vielleicht kann „LIBERTATION“ überzeugen und dies ändern.
Am Ende des Projekts sollen Empfehlungen für Politik und Landwirtschaft stehen – etwa Aussagen darüber, mit welchen Produktionsmethoden und mit welcher Gestaltung der Agrarlandschaft sich der positive Einfluss der Biodiversität am besten zur Steigerung der Erträge ausnutzen lässt.
Die Europäische Union fördert das Projekt „LIBERATION“ mit drei Millionen Euro. Es ist auf vier Jahre angelegt; die Versuchsflächen liegen in der Region Würzburg, außerdem in Schweden, Großbritannien, Ungarn, den Niederlanden, Polen und Italien.
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