Warum modernes Essen nicht nur unsere Zähne krank macht

 

Unsichtbarer Wandel im Mund: Im Laufe der menschlichen Evolution erfuhr nicht nur unsere Ernährung, sondern mit ihr auch unsere Zahnflora gewaltige Veränderungen.

 

Unseren Zähnen muten wir schon einiges zu: Nicht nur, dass sie sich seit Beginn der Industrialisierung vor rund 160 Jahren ständig mit hochverarbeiteten Zucker- und Backwaren herumschlagen müssen. Nein, als direkte Folge davon mussten sie sich auch noch von ihren mikroskopisch kleinen WG-Partnern, den Zahnbakterien, trennen und Ersatz für sie finden. Was die Zähne stumm erleiden und der Mensch oft erst beim nächsten Zahnarztbesuch zu spüren bekommt: Dieser Ersatz ist alles andere als gleichwertig.

 

Foto: google/ Bin im Garten

Das fanden jetzt Forscher der University of Adelaide anhand von DNA-Untersuchungen prä-historischer Zähne heraus. „Es ist der erste Beleg dafür, wie sich die Bakterien, die wir ständig mit uns herumtragen, in den letzten 7.500 Jahren verändert haben und dadurch unsere Gesundheit beeinflussen“, kommentierte ACAD (Adelaide’s Centre for Ancient DNA)-Direktor Professor Alan Cooper die im Fachblatt Nature Genetics veröffentlichte Studie. Da Zahnschmelz das mit Abstand Härteste ist, was der menschliche Körper zu bieten hat, überdauert er uns tausende von Jahren. Der darauf abgelagerte Zahnstein ist damit laut Dr. Christina Adler „die einzige zugängliche Quelle zu ehemaligen menschlicher Bakterien.“.

 

Zahnflora immer artenärmer und pathogener

 

Das Forscherteam untersuchte 34 prähistorische nordeuropäische Skelette von der Steinzeit bis zur Moderne. „Die Flora der letzten Jäger und Sammler war noch um einiges vielfältiger als die der ersten niedergelassenen Farmer“, erläutert Cooper. Der Übergang zwischen den beiden Lebensformen war mit der Aufnahme kohlenhydratreicherer Nahrung verbunden. Auf dem Weg zur zeitgenössischen Zahnflora nahm der Artenreichtum noch weiter ab. Das Ergebnis: Pathogene Bakterienstränge übernahmen die Kontrolle- und ein stichhaltiger Grund für die Erfindung der Buch- und Zeichentrickfiguren „Karius und Baktus“ war geliefert.

 

„Wir glauben, dass die homogenere Mundflora einen Grund für die Ausbreitung chronischer Mund- und anderer Krankheiten im postindustriellen Zeitalter liefert“, erläutert Cooper. „Der moderne Mund von heute ist sozusagen Dauerpatient.“ Ein Grund mehr, auf gesündere Ernährung zu achten und die Zähne in Zukunft noch gründlicher zu putzen.

 

Die Forscher um Cooper planen derweil die Ausweitung ihrer Studie auf weitere Zeitepochen und wollen andere menschliche Spezies, wie den Neandertaler unter die Lupe nehmen. NISO

 

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