
Weltpremiere: In der Schweiz filtern zwei Jungunternehmer Kohlendioxid (CO2) direkt aus der Luft, um es zu verkaufen . Als Startup zweier Studenten der ETH Zürich nahm die Direct Air Capture-Anlage Ende Mai auf dem Dach einer Müllverwertungsanlage den Betriebauf.
"Die Anlage entfernt CO2 aus der Atmosphäre, um Kunden zu beliefern und den Weg in eine Zukunft mit Negativen Emissionen frei zu machen", beschreiben Christoph Gebald und Jan Wurzbacher ihr Unternehmen. Auf dem Dach der Müllverwertungsanlage des Zweckverbands Kehrichtverwertung Zürcher Oberland KEZO konnten sie ihre Anlage bauen. Sie soll von nun an "900 Tonnen CO2 pro Jahr im industriellen Maßstab aus der Luft filtern", um daraus etwa Dünger für einen nahegelegenen Gärtnereibertrieb herzustellen. Denn: In der richtigen Dosis eingesetzt, sorgt das Gas dafür, dass Tomaten, Gurken oder Salat bis zu 20 Prozent schneller wachsen.
Klimaschutz: CO2-Filteranlage seit 2008 entwickelt
Die Idee zur Anlage hatten Gebald und Wurzbacher bereits 2008. Damals entschlossen sich die Züricher Studenten zur Erforschung und zum Bau ihrer CO2-Capture-Anlage. Sie gründeten Climeworks, tüftelten an der Technologie und organisierten die Finanzierung. Sie fanden 40 Experten als Helfer und im schweizerischen Bundesamt für Energie BFE Unterstützung - es betreiligt sich mit einem Beitrag an den nicht amortisierbaren Kosten.
So baute das Jungunternehmen 18 CO2-Kollektoren in drei Schiffscontainern übereinander auf dem Dach der Müllverwertungsanlage. Ventilatoren saugen die Umgebungsluft an. Im Inneren jedes Kollektors findet dann der eigentliche Adsorptions-Desorptions-Prozess statt. Die CO2-reduzierte Luft wird wieder herausgeblasen. „Unsere Filter werden innerhalb weniger Stunden mit CO2 gesättigt“, beschreibt Christoph Gebald die Funktionsweise.
Um den Desorptions-Prozess zu starten, wird das gesättigte Filtermaterial auf rund 100 Grad Celsius erhitzt. „Hierzu nutzen wir die Abwärme der KEZO und sind damit besonders ressourcenschonend“, sagt Gebald. Dabei wird das hochreine CO2 freigesetzt und der Leitung zugeführt, die die Gewächshäuser mit dem Gas versorgt.
CO2 lässt jetzt Tomaten und Gurken in der Schweiz wachsen
Pro Jahr kauft der landwirtschaftliche Betrieb Climeworks 900 Tonnen des Gases zu marktüblichen Preisen ab. „Die Nutzung von CO2 aus der lokalen Umgebungsluft passt zu unseren nachhaltigen Produktionsgrundsätzen und unterstützt die Vermarktung unserer Produkte“, sagt der Abnehmer. Das Wachstum von Gurken oder Tomaten, die das Unternehmen für den schweizerischen Großhandel anbaut, wird deutlich gesteigert. Bislang muss dafür eigens ein LKW aus größerer Entfernung den CO2-Tank auffüllen.
pit
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