Egal ob trockener Sommer, extrem kalter Winter oder Dauerregen: Heutzutage wird alles, was irgendwie von der Norm abweicht, dem Klimawandel in die Schuhe geschoben. Doch was ist beim Klima überhaupt „normal“? Und kann man denn überhaupt sagen, dass es so etwas wie einen Normalzustand des Klimas gibt?
Die Antwort lautet nein. Das Klima hat sich schon immer geändert und wird es weiterhin tun. Was wir beobachten sind Wetterphänomene. Wetter ist im Gegensatz zum Klima ein kurzfristiges Ereignis, Klima hingegen muss im Maßstab von vielen Jahren betrachtet werden. Dabei wird über einen Zeitraum von meist 30 Jahren ein Mittelwert gebildet. Ändert sich der Mittelwert durch viele „anormale“ Wetterereignisse, so kann man von einer Klimaveränderung sprechen. Einzelne Phänomene wie ein verregneter Sommer oder zwei aufeinander folgende milde Winter sind jedoch noch kein Indiz für eine Klimaveränderung.

Bäume sind offenbar nur eingeschränkt als Klimaarchiv nutzbar

Um objektiv beurteilen zu können, ob sich wirklich etwas ändert, braucht man einen Maßstab für das, was „normal“ ist. Dafür muss man das Klima der Vergangenheit kennen. Eine Methode, um in historische Zeiten zurückblicken zu können, ist die Dendrochronologie. Hinter diesem kompliziert klingenden Wort verbirgt sich nichts anderes, als die Analyse von Baumringen. Bisher glaubte man, dass die historischen Schwankungen der Niederschläge in Baumringen archiviert werden und durch geeignete statistische Verfahren bestimmt werden können. Armin Bunde, Physiker der Universität Gießen und sein Team haben nun aber mit Hilfe moderner Methoden aus der statistischen Physik gezeigt, dass dies nur eingeschränkt der Fall ist. Häufig wird bei der Dendrochronologie die Dauer von trockenen oder niederschlagsreichen Phasen länger geschätzt, als sie tatsächlich waren. Die Ursache dafür ist vermutlich, dass sich in den Ringen der Bäume nicht nur Niederschläge widerspiegeln, sondern auch Bodenfeuchte, Temperatur und andere Größen. Laut Armin Bunde können aber mit den bisherigen Untersuchungsmethoden die Beiträge der verschiedenen Faktoren nur eingeschränkt unterschieden werden. Die Analyse von Baumringen führt also zu Ungenauigkeiten in der Klimarekonstruktion. Genauere Ergebnisse liefern wohl Eisbohrkerne aus den Gletschern der Arktis und Antarktis, in denen ebenfalls die Klimageschichte archiviert wird. Zumindest wurde in der Welt der Wissenschaft noch nichts Gegenteiliges behauptet. Eine genaue Rekonstruktion der Klimadaten ist deshalb so wichtig, damit wir beurteilen können, welche Wetterphänomene wirklich durch den Klimawandel verursacht werden und welche wir nur aus Hysterie als Folge des Klimawandels deklarieren.
Lesen Sie auch:
800.000 Jahre Klimageschichte aus dem Eis gelesen
200 Jahre Klimageschichte in zwei Minuten
Klimawandel: Bäume ziehen über den Kontinent

Sarah Baker Foto: LLL/flickr CC
Wissenschaftler am Lawrence Livermore Forschungslabor haben nicht nur den Schlüssel gefunden, mit...

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Pexels
Superbowl: In der Nacht des Football-Endspiels der besten Teams verzehren die Zuschauer – im...

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Arek Socha
Neue, Idee für die Energiewende: Wissenschaftler der City University Hongkong entwickelten einen...
Foto: Pressenza (CC BY 4.0)
Die Organisationen IALANA, IPPNW und ICAN weisen anlässlich des Tages der Menschenrechte auf den...

Foto: ZDF / Martin Kaeswurm
Der amerikanische Finanzinvestor Blackrock verwaltet im Auftrag seiner Kunden über sechs Billionen...

Screenshot: gunther-moll.de
Eine lebenswerte Zukunft im Einklang mit der Natur ist auf diesem Planeten möglich, wenn wir uns...