
Neue Argumente im Diesel-Abgasskandal: Forscher der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin legen jetzt Ergebnisse vor, wonach "nicht Stickoxide, sondern ultrafeine Partikel die Ursache für Gesundheitsgefahren" durch verschmutzte Luft durch den Verkehr in Städten sind.
Die Debatte um Autoabgase (aus Dieselmotoren) reißt nicht ab. In ersten Städten wie Hamburg führte sie zu partiellen Fahrverboten in der City, in Stuttgart ordnete eine Gericht die Aussperrung von Dieselfahrzeugen aus der Stadt an, in Bayern streitet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit der Staatsregierung über die Umsetzung eines Urteils zur Luftreinhaltung.
Modernere Motoren verschlimmern den Schadstioff-Ausstoß
Jetzt publizieren Arbeitsmediziner um den Umweltreferenten der Tiroler und Österreichischen Ärztekammer, Heinz Fuchsig in der Fachzeitschrift Arbeitsmedizin | Sozialmedizin | Umweltmedizin (ASU) die Erkenntnisse ihrer Forschung, dass offensichtlich fatalerweise die "technische Weiterentwicklung und Erhöhung des Motorendrucks" in den zurückliegenden Jahren dazu geführt habe, dass moderne Dieselmotoren heute ultrafeine Partikel ausstoßen. Diese macht der Mediziner als Hauptursache für Erkrankuzngen durch Motorabgase oder gar die beklagten bis zu 5.000 vorzeitigen Todesfälle in Europa verantwortlich. Darüber berichtet der Wissenschafts-Pressedienst.
Stickstoffdioxid (NO2) entsteht beim Verbrennen von Brenn- und Treibstoffen, insbesondere bei hohen Verbrennungstemperaturen, wie in Dieselmotoren. Als Hauptquelle für die Bildung von NO2 gilt der Straßenverkehr. NO2 ist stark gesundheitsgefährdend – insbesondere für Asthmatiker, Kinder oder ältere Menschen.
Feinstaub dringt tief in Lunge und Herzkreislaufsystem ein und kann Krankheiten wie Schlaganfall, Herzerkrankungen, Lungenkrebs oder Atemwegsinfekte verursachen. Laut jüngsten Berichten der Weltgesundheitsorganisation WHO erleiden jährlich ca. 7 Millionen Menschen schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Feinstaub.
Schadstoffmessungen liefern falsches Ergebnis
Heinz Fuchsig warnt nun aufgrund seiner Studien, diese „neuen“, ultrafeinen Partikel seien bei aktuelleren Vermessungen nicht erfasst und in der medizinischen Forschung daher schlicht übersehen worden. "Auch das Verkennen von Emissionen durch mechanischen Motorenabrieb oder die starke Emissionserhöhung infolge der Schwefelentfernung aus Schiffsdiesel hätten zu der 'Täuschung' beigetragen", zitiert ihn die Meldung des Wissenschaftsdiensts: So sei fälschlicherweise die These entstanden, "NO2 sei der gesundheitsschädigende Übeltäter statt ultrafeine Partikel".
In der weiteren Dieseldebatte müsse, schreiben die Wissenschaftler, "unbedingt diesen ultrafeinen Partikeln die Hauptaufmerksamkeit gelten". Fuchsig empfiehlt etwa, eine Nachrüstung großer Schwerfahrzeuge mit entsprechenden Filtern wäre wesentlich wichtiger als die Nachrüstung von PKWs mit Hardware zur Verminderung der weniger relevanten Stickoxide aus Auspuffabgasen. Die Technik sei dabei nicht nur erheblich günstiger, sondern auch wirksamer: Studien zeigten eine Partikel-Reduktion um 99,99 Prozent.
Die schweiz etwa habe "95 Prozent der öffentlichen Busse mit Filtern nachgerüstet". So könne ein Grenzwert von 12 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft vermutlich erzielt werden, glaubt Fuchsig - in Deutschland würden währenddessen doppelt so hohe Grenzwerte sogar überschritten.
pit
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