DUH: Dicke Luft in noch mehr Städten

Foto: DUH

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat gemessen. Die Ergebnisse erschrecken: Die zweite bundesweite Citizen Science Messaktion „Decke auf, wo Atmen krank macht“ des Verbands, die die Konzentration des Dieselabgasgifts Stickstoffdioxid (NO2) in Atemhöhe von Kindern aufspürte, fand genau dort "besonders hohe" Konzentrationen.

In 41 bisher nicht amtlich untersuchten Städten und Gemeinden fanden die Tester im Auftrag der DUH NO2-Grenzwertüberschreitungen.

 

Kinder, Alte und Kranke besonders gefährdet

 

Insgesamt maß der Umwelt- und Verbraucherverband an 461 Messstellen in 233 Städten und Kommunen jetzt zum zweiten Mal die Belastung der Atemluft. Mittels Passivsammlern erhoben die Tester vom 1. Juni bis zum 1. Juli 2018 mit Unterstützung zahlreicher Bürger die durchschnittliche Konzentration von NO2 in der Umgebungsluft ihrer Wohnorte. Der Grenzwert für NO2 liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) im Jahresmittel.

Ergebnis: An 53 verkehrsnahen Messstellen wurden Werte von 40 µg/m3 oder mehr gemessen. "Acht dieser Städte und Gemeinden gelten offiziell als unbelastet – da dort keine amtlichen verkehrsnahen offiziellen Messstationen existieren. Diese Städte und Gemeinden sind somit vom 'Sofortprogramm Saubere Luft' der Bundesregierung ausgeschlossen", wertet die DUH diese Ergebnisse der Lufmessungen.

Die Sommermessungen verzeichnen jetzt die höchsten NO2-Werte an Straßen in Bonn (77,2 µg/m3), Stuttgart (67,1 µg/m3), Kiel (59,7 µg/m3), Düsseldorf (59,2 µg /m3) und Hamburg (62,3 µg/m3). In diesen Städten klagt die DUH bereits auf Diesel-Fahrverbote und die Durchsetzung der sauberen Luft. In Hamburg klagt der BUND.

Alarmierend hohe NO2-Werte oberhalb des gesetzlichen Grenzwertes fanden die Tester nun aber auch in Städten, in denen bislang keine amtlichen und somit für die Bundesregierung relevanten Messungen durchgeführt werden. Dazu zählen: Starnberg (54,6 µg/m3), Fürth (50,7 µg/m3) Trostberg (50,3 µg/m3), Garbsen (48,0 µg/m3), Laufen (42,4 µg/m3), Obersulm (42,0 µg/m3), Erlangen (40,6 µg/m3) und Frechen (40,4 µg/m3). Werte knapp unterhalb des Grenzwertes, aber eindeutig gesundheitlich problematisch, wurden gemessen in Wolfratshausen (39,7 µg/m3), Füssen (39,4 µg/m3), und Kirchseeon (37,5 µg/m3).

 

 

DUH zwingt Dieselautos in die Garagen

Gericht urteilt: Stuttgart bald ohne Autos? Die Deutsche Umwelthilfe (DUH bekam vor dem Verwaltungsgericht der Schwabenmetropole recht gegen das Land Baden-Württemberg - der von der Landesregierung vorgelegte Entwurf des Luftreinhalteplans enthalte, so die Richter, keine ausreichenden Maßnahmen zur Verringerung der Luftbelastung.

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"All diese Städte ohne offizielle Messstationen sind von den Fördermitteln der Bundesregierung im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft“ ausgeschlossen", betont der Verband. "Wir haben in Deutschland ein flächendeckendes Problem mit dem Dieselabgasgift Stickstoffdioxid in unserer Atemluft", sagt Verbands-Chef Jürgen Resch, "unsere Messungen haben die Anzahl der Städte mit Grenzwertüberschreitungen auf 116 anwachsen lassen."

Vor besonders sensiblen Standorten wie Kindertagesstätten ermittelte dieDUH zum Teil "erschreckend hohe Werte": So ergaben ihre Messungen auf einem Meter Höhe an einer Vorschule in der Berliner Torstraße eine Konzentration von 57,4 µg/m3, an einer Kindertagesstätte am Berliner Mehringdamm sogar von 60,9 µg/m3. In der Pragstraße in Stuttgart, unmittelbar am Tierpark, wurde ein Wert von 67,8 µg/m3 gemessen.

An zahlreichen Messstellen konnte der geltende Grenzwert in zwei Metern Höhe zwar eingehalten werden, in einem Meter Höhe wurden jedoch Werte von 40 µg/m3 und mehr ermittelt, so der Verband in einer Pressemeldung. Der Verband betont, dass aktuelle Studien vont Behörden und von der Industrie unabhängiger Institute zeigen, "dass bedenkliche Gesundheitsschäden bereits ab einer Belastung von 20 µg NO2/m3 auftreten".

Besonders für ältere Menschen, Schwangere und vor allem für Kinder sei diese Belastung gesundheitsgefährdend.


red

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