Verfahren bremst UN-Klimaverhandlungen

Foto: flickr/WWF

Zwei Wochen vor den UN-Klimaverhandlungen in Doha veröffentlichen Wissenschaftler der University of East Anglia (UEA) und des Tyndall Centre for Climate Change Research eine Studie, die die Konferenz-Strategie der Vereinten Nationen bei solchen Konferenzen in Frage stellt. Ihr Urteil: „Sie verhindert eine Einigung mehr als sie den Kompromiss fördert.“

Studien-Autorin Heike Schroeder macht das vom United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) bei den vorangegangenen Klimakonferenzen festgelegte Diskussions- und Abstimmungsverfahren dafür verantwortlich, dass es bis heute keine wirklichen Ergebnisse der Klimagespräche gibt. Sie belegt in ihrer Arbeit, dass die Delegationsstärken der ärmeren Länder von Mal zu Mal schrumpfte, die der reicheren sich dagegen sprunghaft vergrößerte. Das führe zu ungleichen Chancen bei den Verhandlungen.

 

Experten

 

Auch die Zusammensetzungen der Vertreter einzelner Nationen variiert mit der Zeit stark. Schroeder, Maxwell Boykoff von der University of Colorado sowie Laura Spiers von der Beratungsfirma Pricewaterhouse Coopers schlagen im Fachblatt Nature Climate Change daher vor, die Delegationsstärken bei künftigen Konferenzen zu begrenzen. So könne wieder Chancengleichheit am Verhandlungstisch hergestellt werden.

Die ärmeren Nationen müssten die Gelegenheit haben, dass ihre Experten nicht hoffnungslos in der Minderzahl seien. „Das begrenzt die Verhandlungspower der ärmeren Länder“, sagt Schroeder, „es macht ihre Teilnahme an den Konferenzen weniger effektiv.“

Schroeder dokumentiert die UN-Klimagespräche. 1995 nahmen daran noch 757 Delegierte aus 170 Nationen teil. Die Zahl kletterte „bis 2009 um satte 1.400 Prozent“.

Zusätzlich kamen 2009 weitere 13.500 Delegierte von 937 verschiedenen Organisationen.

Während die ärmeren Staaten allesamt ihre Teilnehmer bei den UN-Konferenzen einschränkten, wurden alle anderen Delegationen immer größer. Ausnahme sind die US-Teilnehmer an den Klimagesprächen. Deren offizielle Berater schrumpfte seit dem Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll.

 

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