06.11.2018

Unsere Urwald-Vettern sind weiter bedroht: "Die Orang-Utan-Populationen nehmen nach wie vor rapide ab, auch wenn die indonesische Regierung behauptet, die Lage für die Menschenaffen habe sich verbessert", kritisieren Wissenschaftler jetzt offizielle Statements in Südostasien.
In der Fachzeitschrift Current Biology kritisiert ein Forscher-Team, darunter Maria Voigt vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und dem Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, die Beamten hätten "ungeeignete Methoden verwendet", um die Orang-Utan-Populationen zu erfassen.
Menschenaffen: Regierung nutzt die Falschen Zählmethoden
In einem kürzlich veröffentlichten Bericht der indonesischen Regierung heißt es, die Orang-Utan-Populationen hätten im Zeitraum von 2015 bis 2017 um mehr als 10 Prozent zugenommen. Das stimme nicht, sagen nun Wissenschaftler um Erik Meijaard vom Center of Excellence for Environmental Decisions an der University of Queensland: „Diese Zahlen stehen in krassem Gegensatz zu anderen Studien über die Entwicklung der Orang-Utan-Populationen.“
Laut den Autoren ist alleine in den vergangenen zehn Jahren die Anzahl der Borneo-Orang-Utans um mindestens 25 Prozent zurückgegangen, was einem Verlust von über 100.000 Tieren seit 1999 entspricht.
Sumatra-Orang-Utans und der kürzlich beschriebene Tapanuli-Orang-Utan haben zwischen 1985 und 2007 mehr als 60 Prozent ihres Lebensraums verloren. Die Forscher befürchten, dass bis 2020 weitere 11–27 Prozent der Orang-Utan-Bestände auf Sumatra verschwinden.
Fakt sei, so betonen die Wissenschaftler nun auch in einer Meldung des Informationsdiensts Wissenschaft (idw), "dass das Überleben der drei Orang-Utan-Arten nach wie vor ernsthaft durch Abholzung und Tötung gefährdet ist". Deshalb stuft die Weltnaturschutzunion IUCN alle drei Arten auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ ein.
Das Monitoring der Regierung konzentriere sich stichprobenartig auf neun Populationen. Diese Populationen repräsentierten allerdings weniger als 5 Prozent des Verbreitungsgebiets der Borneo- und Sumatra-Orang-Utans und 0 Prozent des Verbreitungsgebiets des Tapanuli-Orang-Utans. Alle Beobachtungsflächen befänden sich zudem innerhalb geschützter Gebiete, während die Mehrheit der Orang-Utans in nicht geschützten Gebieten wie Holzeinschlaggebieten, Palmölplantagen, Privatgärten und Gemeindeland lebten.
Urteil der wissenschaftler: "Daher können die an wenigen geschützten Orten erhobenen Populationstrends keine zuverlässigen Informationen über den Status aller drei Spezies liefern."
Dennoch bleibt Erik Meijaard zuversichtloich: „Ich glaube immer noch: wenn wir Wissenschaft, Politik, Landnutzung und Artenmanagement an einen Tisch bringen, können wir den Orang-Utan retten und sein Aussterben in der freien Wildbahn verhindern.“
Das neue Moratorium des indonesischen Präsidenten Jokowi auf Ölpalmenlizenzen könnte jene 10.000 Orang-Utans retten, die derzeit in Wäldern leben, wo demnächst Ölpalmen wachsen sollen. Das Moratorium soll diesen Gebieten einen permanenten Schutzstatus verleihen.
red
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