Läuse nutzen Photosynthese zur Energieproduktion

Foto: flickr/Betamann

Energie aus Sonnenstrahlen: Aus Licht Energie zu erzeugen, gelingt in der Natur nicht nur Pflanzen, Algen und Bakterien. Auch Blattläuse können’s. Das entdeckten jetzt französische Forscher laut einem Bericht in Scientific Reports. „Wenn Blattläuse Lichtenergie aufnehmen, fließen Elektronen von angeregten Pigmenten zu Akzeptor-Molekülen“, sagt Forschungsleiter Alain Robichon vom Institut Sophia Agrobiotech, „was wir hier sehen, ist eine Stoffwechsel-Regulierung, die einer archaischen Form der Photosynthese ähnelt“ in einem Interview mit der Agentur Pressetext.

Pflanzen nutzen für die Photosynthes den grünen Farbstoff Chlorophyll. Blattläuse verwenden offenbar Carotinoide.

 

Carotin statt Chlorophyll

 

Diese in grünen, orangen oder gelben Pigmenten enthaltene Substanz verwenden mehrere Insektenarten als Antioxidantien für das Immunsystem. Sie nehmen die Stoffe aus Pflanzennahrung auf. Blattläusen jedoch produzieren Carotinoide dank eines speziellen Gens selbst. Sie modulieren damit ihre Farbgebung. Das verändert ihre Sichtbarkeit für Fressfeinde. Die Spektralanalyse und Experimente mit speziell gezüchteten Erbsenläusen (Acyrthosiphon pisum) verliefen überraschend: „Grüne Blattläuse verfügten in ihren Zellen über deutlich mehr ATP-Nukleotide (Adenosintriphosphat) - die wichtigsten Energieträger aller Lebewesen - als weiße Artgenossen“, berichtet die Agentur über die Versuche. „Zudem konnten die Forscher bei den orangen Läusen beobachten, dass die Energieproduktion steigt, sobald Licht auf sie eintrifft, und bei Dunkelheit abfällt. Bei den helleren Varianten war dies nicht oder in viel geringerem Ausmaß der Fall.“

Daraus schlossen die Forscher: Carotinoide steuern bei Blattläusen tatsächlich die Lichtaufnahme und Energieweiterleitung. Die Position der Pigmente zwischen Null und 40 Mikrometer unter der Oberhaut eigne sich perfekt dafür. „Warum Blattläuse über diesen Mechanismus verfügen, ist rätselhaft“, sagt dazu Insektenspezialist Helmut Haardt von Re-Natur im Gespräch mit Pressetext. Sie nähmen beim Fressen so viel Energie auf, dass sie Zucker sogar noch ausschieden. „Bisher war eine derartige Strategie in der Tierwelt völlig unbekannt.“

 

Energieerzeugung bewahrt vor Hungersnot

 

Studienautor Alain Robichon entdeckt dennoch mögliche Vorteile. „Bei gesunder Pflanze hat die Blattlaus ausreichend Zucker, nicht jedoch, sobald es zu viele Parasiten gibt. Eine Bevölkerungsexplosion kann die Pflanze schnell absterben lassen, was den Insekten die Nahrungsgrundlage raubt.“ Jene Blattläuse, die keine Flügel entwickelt haben, müssten dann lange nach neuen Futterquellen suchen und seien in dieser Hungerzeit auf alternative Energiequellen angewiesen.

 

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