
Tee-Trinker leben gesünder. Chemie –Professor Nikolai Kuhnert an der Jacobs University in Bremen zeigte nun erstmals warum: Er belegt molekularbiologische Wechselwirkungen zwischen bestimmten Inhaltsstoffen des Getränks und der menschlichen Erbsubstanz (DNA). Sie könnten die positiven Auswirkungen des Tees auslösen.
„Ob schwarz oder grün, ob morgens oder abends – Mediziner und Lebensmittelforscher wissen schon seit langem, dass der Genuss von Tee nicht nur eine Frage des Geschmacks ist, sondern sich auch für die Gesundheit auszahlt“, betonen die Bremer Wissenschaftler aus Kuhnerts Arbeitsgruppe. Bislang vermuteten Mediziner, dass diese gesundheitsfördernde Wirkung vor allem auf die antioxidative Wirkung von Polyphenolen zurückzuführen ist.
Sie machen bis zu 70 Prozent des Teesgewichts aus. 30.000 unterschiedliche Verbindungen bilden sie allein im Schwaruztee. „Antioxidantien beugen Gewebeschädigungen vor, indem sie sogenannte Freie Radikale, aggressive chemische „Übeltäter“, die durch negative Umwelteinflüsse entstehen, binden und unschädlich machen“, beschreiben die Bremer wissenschaftler ihre Wirkung.
Tee verhindert, dass die Erbsubstanz immer kürzer wird
Das Bremer Forscherteam um Nikolai Kuhnert konnte nun erstmals zeigen, dass die positive Wirkung der Tee-Polyphenole vermutlich auf molekularbiologischen Wechselwirkungen mit dem in Zellen gespeicherten Erbgut beruht. Sie fanden heraus, dass zwei der häufigsten Tee-Polyphenole, Epigallocatechingallat aus grünem Tee und Theaflavin-Digallat aus schwarzem Tee, besonders oft Bindungen mit DNA-Stücken und Proteinen eingehen, die am Ende von Chromosomen sitzen. „Diese auch Telomer genannten DNA-Teilbereiche sind wesentlich verantwortlich für die Stabilität der Chromosomen und schützen diese vor dem Zerfall“, schreiben sie in einer Pressmeldung über ihre Arbeit.
So beschreiben sie die heilende Wirkung des Tees: „Bei jeder Zellteilung schneidet das Enzym Telemorase ein Stück von dem Telomer ab. Sobald das Telomer eine kritische Länge unterschritten hat, kann sich die Zelle nicht weiter teilen und stirbt. Polyphenol-Verbindung aus dem Tee, die an das Telomer gebunden sind, verhindern bzw. verlangsamen diesen Verkürzungsprozess und verlängern so die Zelllebensdauer.“
Experimente an Fruchtfliegen weisen auf einen tollen Effekt des Tees hin. Nikolai Kuhnert: „Wir gehen davon aus, dass diese positive stabilisierende Wirkung auf die Erbinformation auf lange Sicht auch die Gesundheit und Lebenserwartung des gesamten Organismus verbessert.“
Die Fliegen lebten nach dem Tee-Genuss bis zu 20 Prozent länger.
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