
Das jedenfalls ist ein Ergebnis einer neuen Untersuchung von Wissenschaftlern der australischen University of New South Wales. Die Ergebnisse, die jetzt im Fachblatt "Nature" veröffentlicht wurden, verheißen jedenfalls nichts Gutes. Ausgehend von der Klimasensitivität, der Erwärmung bei Verdoppelung der Treibhausgas-Konzentration auf 560 ppm (parts per million) und der Wirkung der Klimaerwärmung auf die Wolkenbildung, haben die Wissenschaftler 43 Klimamodelle ausgewertet. Hierbei haben sie festgestellt, dass viele Modelle den Wasserdampf-Prozess nicht ausreichend berücksichtigten und eine zu niedrige Erwärmung voraussagten.
"Klimaskeptiker kritisieren Klimamodelle gern dafür, dass sie falsche Aussagen machen", zitiert Spiegel Online Prof. Steven Sherwood vom Climate Change Research Center (CCRC). Er gebe gern zu, dass die Modelle nicht perfekt seien. "Aber wir haben herausgefunden, dass die Fehler von jenen Modellen gemacht werden, die weniger Erwärmung vorhersagen - und nicht von denen, die mehr prognostizieren."
Grundsätzliches Problem ist die Berechnung der Klimasensitivität und des Einflusses der Wolken. Ein wärmeres Klima führe zu einer stärkeren Durchmischung des Wasserdampfes und zu einem Entzug der Feuchtigkeit in den unteren Schichten. Dadurch entstünden dort weniger Wolken, die Sonnenlicht ins All reflektieren könnten, heißt es in dem Artikel. Die 1,5 bis 4,5 Grad im jüngsten IPCC-Bericht decken das gesamte Spektrum von noch relativ erträglichen bis hin zu potentiell katastrophalen Folgen ab. Sollten Sherwood und seine Kollegen die Spanne auf 3 bis 5 Grad verkleinert haben, wäre ihnen ein Coup gelungen.

Andere Experten und Forscher sind da allerdings skeptisch. Spiegel Online zitiert in seinem Artikel zwei von ihnen: Das sei "ein großer Schritt nach vorn", sagt Daniela Jacob vom Climate Service Center am Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Die Pressemitteilung von Sherwoods Uni findet sie allerdings "heftig überzogen". "Sie haben nicht das Wolkenrätsel gelöst", meint Jacob. Nicht alle Klimamodelle seien falsch, nur einige hätten eine zu geringe Klimasensitivität. Auch fehlten die Wolkenprozesse nicht gänzlich in den Modellen, "sondern sind in einigen zu schlecht berechnet. Woran das genau liegt, muss erklärt werden."

Ähnlich äußert sich Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Die Sherwood-Studie vergleiche verschiedene Klimamodelle und habe "einen wichtigen Prozess identifiziert, der die Unterschiede zwischen den Modellen erklären kann". Allerdings sei seit Jahren bekannt, dass die Wolkenbildung in niedrigen Höhen eine Schwachstelle der Simulationen sei. Dass sich bei steigenden Temperaturen die tiefen und dünnen Wolken tendenziell auflösen, sei ebenfalls nicht neu.
Ganz gleich, ob die Wissenschaftler nun tatsächlich das „Wolken-Rätsel“ gelöst haben oder nicht – Grund zur Entwarnung gibt es nicht. Es hängt von uns ab, wie stark die Erderwärmung und die Konsequenzen daraus letztlich werden. Je schneller wir den Hebel umlegen, desto besser!
hjo
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