
Bioenergie oder Lebensmittel: Beide Anbau- und Erntevarianten stehen immer häufiger in Konkurrenz auf dem Acker. Da die Frage, welche Flächennutzung am nachhaltigsten sei, nicht mit einfachen „JA“ oder „Nein“ beantwortet werden kann, durchforschten jetzt elf Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen aus Europa und den USA über 170 Studien und Publikationen um eine Empfehlung für Bauern und Politiker zu finden. Als Ergebnis listen sie eine Reihe von Kriterien auf, um die Potenzialabschätzung von Restflächen abzuschätzen.
Ihre Ergebnisse haben sie jetzt in dem Open-Access-Journal BioRisk veröffentlicht. Damit ist die 46-seitige Studie frei im Internet verfügbar.
„Teller oder Tank”, so beschreiben die Wissenschaftler mit einer griffigen Formulierung, die Konflikte um die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen. „Wenn auf Ackerland Energiepflanzen wie Mais, Raps oder auch Hirse angebaut werden, stehen diese Flächen nicht mehr für die Produktion von Lebens- und Futtermitteln zur Verfügung.“ Wenn die Nachfrage nach Bioenergie wachse, verschärfe sich dieser Nutzungskonflikt.
Definition der „Restflächen“ für Bioenergie-Pflanzen unklar
„Davon betroffen sind auch indirekte Landnutzungsänderungen, etwa wenn agrarisch nicht genutzte Flächen unter den Pflug genommen oder Urwälder in Palmölplantagen umgewandelt werden, um dem steigenden Flächenbedarf Rechnung zu tragen.“

Konzepte zur Lösung dieser Konflikte brächten, so die Wissenschaftler, unter anderem eine räumliche Trennung beider Produktionslinien ins Spiel: „Auf etablierten Agrarstandorten sollen weiter Lebens- und Futtermittel produziert werden, während Energiepflanzen auf so genannten Restflächen angebaut werden.“ Das sind Äcker, „die derzeit aus sozio-ökonomischen oder politischen Gründen oder aber wegen ungünstiger Standortbedingungen nicht für Ackerbau oder Forstproduktion genutzt werden.“
Das klingt logisch. Praktisch sind diese Flächen aber weder klar definiert, noch ist klar, wie groß diese Flächen sind. Die Wissenschaftler: „In der Fachliteratur finden sich Annahmen von 250 bis 1.580 Millionen Hektar.“
Politik muss Richtlinien für Energie-Anbauflächen festlegen
„Solange wir nicht wissen, wie viel Land als Restfläche zur Verfügung steht und auch für den Anbau von Energiepflanzen geeignet ist, fällt es schwer, belastbare Konzepte zu entwickeln“, sagt Jens Dauber vom Braunschweiger Thünen-Institut. Zudem, sagt der Biologe, müssten Umwelt- und sozioökonomische Gesichtspunkte in die Flächenabschätzungen mit einbezogen werden.
Die Autoren der Studie schlagen daher vor, den Begriff „überschüssige Flächen“ klarer zu definieren und sowohl Einschränkungen als auch Chancen für eine nachhaltige Bioenergie-Landnutzung zu berücksichtigen. Zudem müsse eine globale, hochauflösende Datenbank für die nachhaltige Nutzung von Flächen entwickelt werden, da die derzeitigen Daten zu Landnutzung, Besitzverhältnissen, Klima und Boden oft zu grob sind, um in der regionalen Raumplanung angewendet werden zu können.
Eine starke Nachfrage nach Bioenergie, ausgelöst durch Subventionen, könne zu wahllosen Massenanpflanzungen oder steigenden Importen nicht nachhaltig erzeugter Biomasse führen, so die Wissenschfatler. Das laufe dem Klimaschutz zuwider. Um solche Fehlentwicklungen zu vermeiden, sei die Politik gefordert, auf nationaler und internationaler Ebene Rahmenbedingungen für den Anbau von Bioenergie-Rohstoffen zu setzen.
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