03.06.2019

Deutschland ist mit seinen rund 7.500 Kilometern an Wasserstraßen einer der wichtigsten europäischen Märkte für den Güterverkehr per Schiff. Neben Transportschiffen sind Flüsse und Seen zusätzlich von Sportbooten und Personenschiffen stark befahren, der Markt für die Freizeit -und Erholungsschifffahrt wächst stetig. Welchen Einfluss hat dieser Schiffs- und Bootsverkehr auf die Fischpopulationen? Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) sind dieser Frage nachgegangen und haben jetzt ihre Ergebnisse vorgelegt.
Die Wissenschaftler haben deshalb in sechs großen europäischen Flüssen untersucht, wie sich der Schiffsverkehr auf unterschiedliche Fischgemeinschaften auswirkt. Sie analysierten insgesamt fast 400 Probebefischungen an 88 Stellen und arbeiteten mit Hilfe mathematischer Modelle die Abhängikeiten der Fischgemeinschaften von Schiffstyp (Frachtschiff, Passagierdampfer oder Sportboot), Schiffsfrequenz, transportierter Fracht, Schiffsgröße oder Anzahl der Leerfahrten heraus.
„Der Unterschied im Schiffsverkehr schlägt sich auf die Artenvielfalt nieder. Unsere Analysen bestätigten für den Rhein unterdurchschnittlich wenige Fischarten, für die Oder dagegen überdurchschnittlich viele“, erläutert der Erstautor der Studie, Dr. Petr Zajicek."
Ergebnisse der Untersuchung: Frachtschiffe schaden vor allem durch ihren Tiefgang, Freizeitboote durch starke Sekundärwellen. Frachtschiffe mit voller Ladung haben den größten Tiefgang und damit potenziell einen besonders negativen Einfluss auf die Artenvielfalt in einem Fluss. Passagierdampfer und Sportboote fahren im Vergleich zu Frachtschiffen besonders schnell und erzeugen dadurch starke Sekundärwellen, die sich nahezu ungebremst im Gewässer ausbreiten und die Fischgemeinschaft noch in weit entfernten Uferzonen schädigen können.
Die Forscher befürchten einen beschleunigten Rückgang der Biodiversität. „Ohne die Revitalisierung flusstypischer Lebensräume wird die geplante touristische Entwicklung der Nebenwasserstraßen den Biodiversitätsverlust in unseren Flüssen eher beschleunigen als stoppen," kommentiert Dr. Christian Wolter, Studienleiter und IGB-Forscher. Daher sollten ökologische Entwicklungspotenziale die Zielsetzungen künftiger Entwicklungsprogramme bestimmen. Eine ökologisch intakte, artenreiche und vielfältige Flusslandschaft wird mit Sicherheit neue und nachhaltige Nutzungspotenziale erschließen. (Quelle: IDW)
Die Originalpressemeldung ist beim IGB nachzulesen...
red
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