
Wissen Sie, was „fliegende Flüsse“ sind? Oder wie viel Wasser ein Baum pro Tag abgeben kann? Genau dieses erforscht der gebürtige Schweizer Gerard Moss seit fünf Jahren im Auftrag der Wissenschaft. Mit dem Flugzeug untersucht er die Wolken über den riesigen Wald- und Wasserflächen Amazoniens. Für die Klimaforschung soll er das Geheimnis dieser "fliegenden Flüsse" lüften, die über dem Regenwald durch Verdunstung entstehen.
Brasiliens riesiger Wasservorrat speist sich aus feuchten Luftströmen des Regenwalds. Ein einzelner Baum kann mehr als 1000 Liter Wasser pro Tag abgeben. Gerard Moss und sein Assistent spüren die Luftströme auf und folgen ihnen. Dabei nehmen sie in ihrem Forschungsflugzeug mittels einer speziellen Düse Feuchtigkeitsproben und messen die Dichte und die Ausbreitung der "fliegenden Flüsse".

„Der Klimawandel fordert seinen Tribut“, zitiert der Focus Gerard Moss. „Die USA erleben die schlimmste Dürre seit einem halben Jahrhundert, auch Russland leidet unter Dürren und in Indien sind die Monsunregen seit Jahren unregelmäßig. Brasilien ist weniger betroffen, weil wir den größten tropischen Regenwald der Welt haben, der bei der Klimaregulierung hilft..“
Die Forschungsdaten werden im meteorologischen Zentrum von Cachoeira Paulista, einer Stadt zwischen Rio de Janeiro und São Paulo, zusammengetragen und ausgewertet. Das gesamte Weltklima wird durch das Amazonasgebiet beeinflusst. Das größte Regenwaldgebiet der Erde wirkt wie eine riesige Wärme- und Wasserpumpe, denn durch das Amazonasbecken fließt rund ein Fünftel der gesamten Süßwassermenge der Erde. Von dort treiben die „fliegenden Flüsse“ Richtung Anden, so dass auch Argentinien, Uruguay und weitere mittel- und südamerikanische Länder davon profitieren.

Wie lange das noch der Fall sein wird, ist zur Zeit nicht absehbar. Die Zerstörung des Regenwaldes könnte unumkehrbare Schäden verursachen. „Wenn wir bestimmte Gebiete des Amazonas verlieren, durch Landgewinnung, für Vieh oder Sojabohnen, dann muss uns klar sein, dass wir natürliche Prozesse verlieren, was uns eines Tages teuer zu stehen kommt,“ sagt Moss. Sollte es Gerard Moss und seinen Kollegen gelingen nachzuweisen, dass sich das Binnenklima verändert, weil die "fliegenden Flüsse" abnehmen und dadurch die Landwirtschaft beinträchtigt wird. kann die Entwicklung vielleicht beeinflusst werden, solange ein Großteil des Regenwaldes noch intakt ist.
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